Wilkenau

Wilkenau [Vlkanov]

Das im Jahre 1945 75 Häuser zählende Dorf Wilkenau lag 3 km südlich der Gerichtsbezirksstadt Ronsperg und zählte 1939 352 deutsche Bewohner. Ostwärts des Ortes führte die Bahnlinie Ronsperg-Taus vorbei, man stieg aber entweder in Ronsperg oder in Neugramatin zu, denn Wilkenau war leider kein Haltepunkt.

1359 erstmals urkundlich erwähnt, besaß es Zdenko von Hirschstein, der zuvor schon Schüttwa und Pobiezowicz (das spätere Ronsperg) sowie Waltersgrün erhalten hatte. Aus diesem Geschlecht stammte auch Buschek von Wilkenau, der durch Kauf das Richteramt der Choden an sich brachte. Wann dies der Fall war, steht nicht fest. Das Richteramt der Tauser Choden hatten ja ursprünglich die Burggrafen von Taus inne. 1388 bekleidete es Ullrich von Mirschikau, der es an Jaroslav von Blahotitz veräußerte, und Buschek von Wilkenau erstand es von diesem. 1456 fiel es wieder an die Choden zurück, da Bohusch, der letzte der Wilkenauer Hirschsteinlinie, starb.

Wo Bohusch von Wilkenau seinen Sitz hatte, wurde nicht bekannt, in Wilkenau selbst wahrscheinlich nicht mehr, denn dieses war schon 1421 in anderen Besitz übergewechselt. Liebscher zufolge hatte es Kaiser Sigmund nämlich 1421 dem Chotieschauer Kloster verschrieben. Als Albrecht von Guttenstein 1537 Ronsperg an Bohuslaw Barchanetz von Ottow (wahrscheinlich Wottawa) auf 6 Jahre verpfändete, waren in dieser Urkunde folgende Güter und Ortschaften aufgeführt:

Schloß Ronsperg, der Hof unter dem Schloß mit dem Brauhaus und der Stadt, der „Hof in Wilkenau“, die Dörfer Trohatin, Natschetin, Wonischen, Linz, Wottawa, Sirb, Metzling, Meeden, der öde Hirschstein und die öden Dörfer Waltersgrün und Parisau.

Auf Grund seiner Beteiligung am Prager Aufstand wurden am 26. April 1621 dem Peter von Schwanberg, der bereits 1620 in Prag gestorben war, das Gut, Schloß und die Stadt Ronsperg mit den 3 Meierhöfen und dem Brauhaus sowie Metzling mit dem Patronatsrecht, Wottawa, Wilkenau, Linz, das öde Dorf Parisau und 17 Teiche vom Fiskus eingezogen. Wann aber das Dorf Wilkenau an die Ronsperger Herrschaft gekommen war, konnte noch nicht ergründet werden. Die Alleen gegen Stockau und Wilkenau ließ 1759 Philipp Wilhelm Albrecht Reichsfreiherr von Linker-Lutzenwick anlegen.

1789 zählte Wilkenau, bei der Allodialherrschaft Ronsperg bereits 33 Nummern und war 1839 auf 53 Häuser mit 369 Einwohnern angewachsen. Ferner nannte Sommer den herrschaftlichen Meierhof mit einer Schäferei sowie ein Dominicalwirtshaus und sagte, daß hier viel Leinwand und Garn gebleicht wird. Auch die eine Viertelstunde entfernte Abdeckerei gehört zu Wilkenau.

1913 wies der dem Grafen Coudenhove-Kalergi gehörende Meierhof ein Ausmaß von 124,66 ha auf. Das nach Ronsperg eingepfarrte und eingeschulte Wilkenau zählt damals 357 Einwohner; der Feuerwehrverein, 1902 auf Freiwilligenbasis gegründet und schon 1890 mit einer fahrbaren Handdruckspritze ausgerüstet, hatte 110 Mitglieder. Er erhielt 1937 eine Motorspritze.

Das Flächenausmaß der Gemeinde Wilkenau betrug 1937 431,50 ha. Davon entfielen 225,99 ha auf Äcker, 66,93 ha auf Wiesen, 17,98 ha auf Weiden, 102,29 ha auf Wald und 2,10 ha auf Gärten. An Gewerben waren zuletzt 2 Gasthäuser, 1 Kaufladen, 1 Trafik, 1 Schneider, 1 Schmied und 1 Wasenmeisterei zu verzeichnen.

Als um 1800 in Wilkenau 12 Bauern, 3 Kaluppner und 34 Häusler wohnten und Johann Franz Freiherr von Linker-Lutzenwick Ronsperger Herrschaftsbesitzer war, waren diese 50 Familien Leibeigene und mußten am Gutshof Robot und Frondienst leisten. So waren z. B. für einen Wilkenauer Bauern im Jahre 156 Tage Robot mit Ochsengespann vorgeschrieben. Die 3 Kaluppner wurden als ein Bauer gerechnet, die 34 Häusier wurden zu Handrobot herangezogen. Außerdem mußten alle den Zehent von ihren eigenen landwirtschaftlichen Erzeugnissen an den Gutsherrn abgeben, der auch die richterliche Gewalt über sie ausübte. 1848 kam dann die Schicksalswende.

Bis 1918 hatten die Bauern und Kaluppner auch ein gewisses Rustikalrecht und konnten im Gemeindewald jährlich bis zu 1 Joch Holz schlagen, mußten aber als Gegenleistung dasselbe Ausmaß wieder aufforsten sowie die Steuern samt den Zuschlägen dem Heger und Aufsichtsförster bezahlen und die Wege in Ordnung halten. Die 34 Häusler besaßen dagegen das Recht, an zwei Tagen in der Woche im Gemeindewald unentgeltlich Klaubholz zu sammeln und die Stöcke im Holzschlag, welche von den Rustikalisten 80 cm über dem Erdboden abgesägt werden mußten, unter sich zu verteilen.

1919 erließ die Prager Regierung ein Gesetz, nach dem alle oben angeführten Rechte und Pflichten außer Kraft gesetzt wurden und der Wald in Gemeindeverwaltung überführt wurde. Der Wald hatte mehrere Schlagbenennungen. Einer der Schläge hieß „Sessel“. Dort befand sich ein Naturstein, der die Jahreszahl 1749 trug und an dem sich folgende Sage knüpft. „Eine Gräfin, welche die Herrschafl Ronsperg erworben hatte und ihre Besitzungen in Augenschein nehmen wollte, hat unter anderem auch beim Sessel im Wilkenauer Wald gehalten und die ihr zu Füßen liegende Ortschafl mit ihren Wiesen und Feldern betrachtet und eingeschätzt. Da sie sich anscheinend über die günstige oder ungiinstige Lage Wilkenaus lediglich auf Grund dieser Betrachtung kein richtiges Bild machen konnte, urteilte sie nicht, sondern äußerte: Will genauer sehen! Aus diesen Worten soll dann der Ortsname Wilkenau entstanden sein.“

1878 fielen einige Wohn- und Wirtschaftsgebäude einem Feuer zum Opfer. Bei der schweren Unwetterkatastrophe am 22. August 1879 schwamm ein Haus von Wilkenau bis Wottawa.

Trotz Ablehnung seitens der Gemeindeverwaltung wurde von beherzten Männern im Einvernehmen mit dem Elektrizitätswerk Mies eine Stichleitung gebaut und der Ort allmählich elektrifiziert. 1945. waren alle Häuser angeschlossen.

Das Jagdrecht wurde von der in der Gemeinde gebildeten Jagdgeselischaft seit 1920 im Übereinkommen mit dem Vertreter der Ronsperger Herrschaft, Forstdirektor Till sen., wahrgenommen.

Daß die Landwirtschaft in hoher Blüte stand, zeigt die Höhe des Hebesatzes. Aber auch die Viehzucht hinkte nicht nach, was durch Kauf von Simmentaler Zuchttieren besonders stark in Erscheinung trat. Von diesem damaligen Wohlstand zeugte noch der bis 1914 in Wilkenau und Umgebung bei feuchtfröhlicher Stimmung geäußerte Ausspruch der Wilkenauer Männer und Burschen. „Mia(r) san vo Kloi(n)-Pilsn!“ Dies wußten aber wahrscheinlich schon 1866 die eingefallenen Preußen, als sie Wilkenau brandschatzten und binnen 24 Stunden 800 Gulden in Münzen forderten, die der Besitzer des Hofes Nr. 35, Bruckbauer, der Gemeinde vorschoß. Auch die Zeche der Preußen im Gasthaus, die 100 Gulden ausmachte, mußte beglichen werden.

Von den 40 Bauarbeitern, die in Wilkenau wohnten, war ein Teil im Hoch- und Tiefbau, der andere Teil im Kamin- und Feuerungsbau beschäftigt. Für letzteren kamen vor allem die Firmen Kustotis in Wien und Tölki in Nürnberg in Frage, und es gab für die erstgenannte Firma wohl kein Land in der alten Monarchie, wo sie nicht tätig gewesen wäre, während Tölki überwiegend in Griechenland, in der Türkei und in Spanien arbeitete.

Das Schicksalsjahr 1945 brachte für Wilkenau neue Opfer. Zu den bereits drei Jahre dort untergebrachten zehn Evakuiertenfamilien aus Westdeutschland kamen im Januar 1945 Flüchtlingsfamilien aus der Slowakei. Und schon im Februar mußte auch ein Flüchtlingstreck aus Schlesien mit 18 Paar Pferden und allem Drum und Dran untergebracht werden.

Während der erste Weltkrieg 18 Gefallene und Vermißte gefordert hatte, blieben im zweiten 15 Gefallene und 14 Vermißte.

Josef Bernklau nach Adam Gröbner, Franz Buchauer, Ernst Landkammer